Takkt AG – Zwischen Digitalisierungszwang und Steuereuphorie


Dennis Etzel
  • Rückläufiger Gewinn wegen hoher Aufwendungen in die Digitalisierung des Geschäftsmodells
  • Risiko sinkender Margen im Onlinegeschäft
  • Positive Einkaufsmanagerindizes sollten sich mit Verzögerung positiv auf die Umsätze auswirken
  • Gewinne aus der US-Steuerreform werden sich nicht wiederholen

Die Takkt AG ist eines der Schwergewichte im Nebenwerte-Index SDAX und einer der bisherigen Highflyer des Jahres mit einem Kursgewinn von rund zwanzig Prozent. Die heute vorgelegten Zahlen des Versandhändlers für Büro- und Geschäftsausstattung aus Stuttgart lagen weitgehend im Rahmen der Markterwartungen und somit beim operativen Gewinn auf Gesamtjahresbasis 2017 deutlich unter dem Vorjahr. Die operative Marge fiel ebenso deutlich von 12,6 auf nur noch 11 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür waren, wie bei nahezu allen Handelsunternehmen, die hohen Aufwendungen für den Schritt ins digitale Zeitalter. Takkt will bis 2020 rund 50 Millionen Euro in die Digitalisierung des Geschäftsmodells investieren, um den E-Commerce-Umsatz bis 2020 auf 900 Millionen Euro gegenüber 2016 zu verdoppeln. Hier zeigt sich die Zwickmühle, in der viele Handelsunternehmen stecken: Ein starker Wettbewerbsdruck und gleichzeitig die Notwendigkeit, massiv in den E-Commerce und die Digitalisierung zu investieren, um nicht abgehängt zu werden. Und dies immer verbunden mit der Unsicherheit, ob sich die stark steigenden Umsätze dann auch in der operativen Marge des Unternehmens positiv niederschlagen, oder ob im Onlinegeschäft unter dem Strich nicht viel hängen bleibt. Die Klamottenhändler und Baumärkte wissen davon ein Lied zu singen.

In diesem Jahr könnte Takkt dennoch wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Ein wesentlicher Indikator dafür sind die positiven Einkaufsmanagerindizes in Europa und USA. Üblicherweise spiegeln sich diese mit einer zeitlichen Verzögerung von sechs Monaten in den Umsätzen wider. Somit sollte das Unternehmen in 2018 wieder ein Umsatzwachstum verzeichnen, was auch dem operativen Ergebnis (EBIT) helfen dürfte, wieder das Niveau von rund 170 Millionen Euro aus dem Jahr 2016 zu erreichen.

Beim Ergebnis nach Steuern ist das Unternehmen einer der größten Gewinner der US-Steuerreform, denn es generiert mit eigenen Standorten in den USA rund 45 Prozent seines Umsatzes dort. Die im Dezember beschlossene, rückwirkend für das Gesamtjahr 2017 geltende Senkung der Unternehmenssteuer, von 35 auf 21 Prozent bescherte dem Unternehmen durch eine Verminderung der latenten Steuerverbindlichkeiten einen zusätzlichen Anstieg des Nachsteuergewinns von rund 25 Prozent(!) bereits für das abgelaufene Jahr. Ohne diesen Effekt wäre das Nettoergebnis stark rückläufig gegenüber dem Vorjahr gewesen. Der Steuereffekt war auch der wesentliche Grund für den starken Kursanstieg der Takkt-Aktie von rund 20 Prozent seit Jahresanfang. Allerdings zeigt sich hier auch direkt die Kehrseite der Medaille: Das Gewinnwachstum auf Basis des Steuereffekts wiederholt sich in 2018 nicht, so dass trotz der Steigerung des operativen Gewinns in 2018 ein unverändertes Nachsteuerergebnis übrig bleiben dürfte. Da die Bewertung des Unternehmens nach dem Kurssprung  mit dem 11-fachen des operativen Gewinns und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 16 im Durchschnitt der historischen Bewertung liegt, dürften sich weitere Kursgewinne in Grenzen halten.

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