Deutsche Mid-Caps im Visier angelsächsischer Private Equity Investoren

Vermehrt geraten aktuell insbesondere börsennotierte Mid-Caps aus Deutschland unter das Radar angelsächsischer Private Equity Fonds.


Peer Reichelt

Im vergangenen Jahr war die Anzahl der Private Equity Deals in Deutschland bereits ausgeprägt hoch. So erreichte der deutsche Midcap-Markt bei der Transaktionsanzahl und beim Marktvolumen erstmals seit der Finanzkrise wieder nahezu an die früheren Rekordwerte heran. Für das laufende Jahr erwarten Marktbeobachter erstmals wieder neue Rekordwerte. Ein extrem günstiges Finanzierungsumfeld im Bereich des Fremdkapitals bedingt durch einen harten Wettbewerb zwischen Banken und Private-Debt-Fonds und eine Vielzahl von prall gefüllten Neuen Private Equity Fonds, die händeringend Anlagealternativen suchen, lassen einen weiteren Anstieg sehr wahrscheinlich erscheinen.

Interessante Targets finden sich in ausreichender Anzahl auf dem Kurszettel an den einheimischen Börsen. Zwar sind die Bewertungen im M-Dax, Tech-Dax und S-Dax zwischenzeitlich bereits auf hohe Niveaus gestiegen, allerdings haben Private Equity Investoren bei vollständiger Übernahme ihrer „Targets“ die Möglichkeit so genanntes „financial engineering“ zu betreiben und den übernommenen Firmen, die zum großen Teil sehr solide Bilanzen mit hohen Eigenkapital Quoten aufweisen, hohes Fremdkapital aufzuerlegen. Hierdurch können die Investoren meist schon kurz nach der Übernahme einen großen Teil ihrer Erstinvestition als Vorabdividenden zurückholen. Die Niedrigzinspolitik der EZB macht diese Art des s.g. „leveragded buy in“ überhaupt erst möglich.

Ein erfolgreiches Beispiel für eine solche Transaktion war im Jahr 2013 die Übernahme von WMF durch den US Private Equity Fonds KKR. Innerhalb von zwei Jahren konnte trotz eines hohen Übernahmepreises die Investition mehr als verdoppelt werden. Zwischenzeitlich wurde WMF an einen französischen Haushaltsgerätehersteller mit hohem Aufschlag weiter verkauft. Anleger können von dieser aktivistischen Anlagepolitik partizipieren indem sie entsprechende mögliche Übernahmeziele der Private Equity Fonds in ihren Portfolios allokieren oder natürlich entsprechende Investmentfonds die diese Strategie verfolgen, beimischen.

Das Jahr 2017 begann bereits mit diversen Übernahmeangeboten für Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel. So ist wiederum KKR dabei gemeinsam mit dem bisherigen Großaktionär den M-Dax Wert, das Marktforschungsunternehmen GFK komplett zu übernehmen.

Ein weiteres Übernahmeziel ist der hessische Generikahersteller Stada. Diverse Fonds wie Bain Capital, Cinven oder auch Advent sollen bereits ihr Interesse bekundet haben. Auch bei Hugo Boss hat sich in den letzten Tagen ein aktivistischer Investor, die belgische GBL Gruppe des berühmten Investors Albert Frère, eingekauft. Hier ist sicherlich keine Übernahme aber ein direkter operativer Einfluss, mit dem Ziel einer deutlichen Unternehmenswertsteigerung geplant. Das Jahr 2017 wird in diesem Bereich voraussichtlich deal- und ereignisreich.

 

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