Korrektur auch bei Nebenwerten – In der Bilanzsaison trennt sich die Spreu vom Weizen


Dennis Etzel
  • Stärkerer Euro und steigende Rohstoffpreise als Belastungsfaktoren
  • Durch Auslaufen von Absicherungsgeschäften wird nun der Ausblick interessant
  • Schwer abschätzbare Auswirkungen der US-Steuereform auf europäische Unternehmen
  • Mittel- bis langfristige Effekte der Steuerreform auf Wettbewerbsposition und Nachfrageverhalten

An den Bilanzen der Unternehmen, die bislang ihre Ergebnisse berichtet haben, kann es jedenfalls nicht gelegen haben, dass die Aktienmärkte nun in den lang erwarteten Korrekturmodus eingeschwenkt sind. Denn vor allem in den USA konnten zahlreiche Schwergewichte mit guten Bilanzen und starken Prognosen positiv überraschen. Aber eben gerade an der erfolgsverwöhnten Wall Street ist die Stimmung nach der im Dezember verabschiedeten Unternehmenssteuerreform zu euphorisch geworden, so dass es nur einem Anlass brauchte, etwas Druck aus dem Kessel zu lassen. Und dieser Anlass wurde in Form steigender Anleiherenditen gefunden, die nun das Gespenst der Zinswende auf das Parkett rufen.

In dieser Korrektur jetzt aber wahllos auf den Verkaufsknopf zu drücken, mit der Begründung, alle Aktien seien inzwischen zu teuer geworden, könnte sich allerdings als der falsche Weg erweisen. Das gilt insbesondere für Werte aus der zweiten und dritten Reihe, bei denen sich in den kommenden Wochen nach Vorlage der Bilanzzahlen die Spreu vom Weizen trennen sollte. Neben den eigentlichen Zahlen dürfte auch der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr bei den Unternehmen deutlich differenzierter ausfallen als noch in den vergangenen Quartalen.

Ein großes Thema sind die Auswirkungen des steigenden Euro auf Zahlen und Ausblick. Bei einigen exportorientierten Werten wie den Maschinenbauern dürfte die Rally der Gemeinschaftswährung ihre Bremsspuren bereits im vergangenen Jahr hinterlassen haben. Aus Angst vor Enttäuschungen werden derzeit größere Leerverkaufspositionen in Aktien wie Aixtron, Heidelberger Druck, Krones und dem LKW-Zulieferer SAF Holland aufgebaut. Neben dem stärkeren Euro dürften bei einigen Unternehmen aber auch die gestiegenen Rohstoffpreise zum Belastungsfaktor werden. So sind zum Beispiel die Einkaufspreise des Kunststoff-Verarbeiters Polytec stark vom Ölpreis abhängig. Noch stärker dürften diese Effekte allerdings im laufenden Quartal und im Ausblick der Unternehmen auf das Gesamtjahr zum Tragen kommen. Denn bei vielen Firmen laufen die Absicherungen gegen Währungs- und Rohstoffschwankungen gerade aus. Und so ist zu erwarten, dass die Vorstände einiger Unternehmen vorsichtiger gegenüber dem Kapitalmarkt kommunizieren werden.

Welche Auswirkungen eine vorsichtige Kapitalmarktkommunikation in Kombination mit überzogenen Gewinnerwartungen des Marktes und gestiegenen Bewertungen haben kann, ließ sich exemplarisch in der vergangenen Woche am Aktienkurs der Washtec AG ablesen. Der Hersteller von Autowaschanlagen veröffentlichte gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017, deutete jedoch gleichzeitig an, dass der Gewinn im ersten Quartal 2018 leicht unter dem Vorjahresquartal liegen werde. Dieses allerdings wurde durch Großaufträge einiger Schlüsselkunden extrem positiv beeinflusst. Ein Gewinnrückgang wäre also nichts Ungewöhnliches für Investoren, die das Unternehmen genauer verfolgen. Dennoch quittierte die Börse den zu vorsichtigen Ausblick des Unternehmens mit einem Tagesverlust von 14 Prozent.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor beim Ausblick der Unternehmen sind die für den Moment noch schwer abschätzbaren Folgen der Steuerreform in den USA. Zahlreiche europäische Unternehmen haben hier zwar schon erste Einschätzungen zum kurzfristigen Einfluss auf ihre Steuerrückstellungen gegeben, die entweder positiv (z.B. Daimler, BMW, Fresenius) oder negativ (z.B. Heidelberger Druck, Qiagen) ausfallen sollten. Viel wichtiger sind allerdings die mittel- bis langfristigen Auswirkungen der Steuerreform auf die Wettbewerbsposition der Unternehmen und das Nachfrageverhalten ihrer Kunden. Hier sollten europäische Unternehmen, die Produktionsstätten in den USA haben und auch ihre Produkte dort absetzen, aufgrund der niedrigeren Steuern einen positiven Effekt auf ihre Gewinne erfahren. Als Profiteure auf dem deutschem Kurszettel kommen so die deutschen Autohersteller BMW und Daimler in Frage, samt ihrer breiten Basis an Zulieferern, die ihre Werke aufgrund der logistischen Anforderungen immer in der Nähe der Autohersteller haben.

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