Die Zinswende ist in vollem Gang – Aber die Welt sitzt in der Schuldenfalle


Dennis Etzel
  • Weltweite Verschuldung steigt auf Rekordhoch von 225 Prozent des BIP
  • Steigen die Zinsen zu schnell und zu stark, droht ein Kollaps des Systems
  • Kleine Zinsschritte in weltweit abgestimmten Aktionen der Notenbanken könnten funktionieren
  • Staatschulden abzuschreiben, würde zu massivem Vertrauensverlust in die Währung führen
  • Anlegern bleibt nur die Investition in Sachwerte, unter anderem Aktien

Die Zinsen in den USA steigen weiter. Wer dem Staat für drei Monate Geld leiht, bekommt aktuell eine Rendite von 1,89 Prozent. Klingt nicht viel, ist aber der höchste Wert seit fast zehn Jahren. Für sechsmonatige Anleihen gibt es sogar wieder Zinsen von über zwei Prozent. Und dass die 10jährigen Staatsanleihen die Drei-Prozent-Marke wieder zurückerobern würden, war nur eine Frage der Zeit. Und damit ist sie wieder zurück an den Börsen, die Angst vor weiter und schneller steigenden Zinsen. Aber können die Zinsen in diesem Tempo weiter steigen?

Nein, denn die Welt sitzt in einer Schuldenfalle. Trotz eines globalen, nahezu synchronen, konjunkturellen Aufschwungs ist der weltweite Schuldenstand laut internationalem Währungsfonds auf ein Hoch von 164 Billionen Dollar oder 225 Prozent der Wirtschaftsleistung angestiegen. Und das ist nur die halbe Wahrheit. Rechnet man die von Unternehmen und privaten Haushalten hinzu, liegt die Verschuldung mittlerweile bei über 230 Billionen Dollar. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken mag zwar die Konjunktur angekurbelt haben. Die Hoffnung aber, dass die aus dieser Geldpolitik resultierende finanzielle Repression mit niedrigen oder sogar negativen Realzinsen zu sinkenden Schulden führt, hat sich nicht erfüllt.

Nun mag man sagen „Hatten wir schon mal“: Am Ende des zweiten Weltkriegs lag die Verschuldung relativ zum BIP in den USA bei 100 Prozent und in Großbritannien sogar bei 250 Prozent. Hier war allerdings die Ausgangsposition eine völlig andere. Damals mussten große Teile Europas und Japans wieder aufgebaut werden, was zu einem hohen Wirtschaftswachstum führte und in Kombination mit negativen Realzinsen den Schuldenabbau ermöglichte.

Die heutige Lage sieht anders aus. Steigen die Zinsen zu schnell und zu stark, droht das System zu kollabieren. Und die kritische Schwelle für dieses Zinsniveau sinkt mit steigender Verschuldung immer weiter. Betroffen wären Staaten genauso wie Unternehmen und Privathaushalte. Auf Ebene der Staaten haben die Politiker den schwarzen Peter den Notenbanken zugeschoben, da sich Strukturreformen zum Abbau der Staatsverschuldung zumindest in demokratischen Strukturen politisch kaum umsetzen lassen.

Die Zentralbanken könnten dies nur schaffen, wenn sie in international abgestimmten Aktionen über einen längeren Zeitraum regelmäßige kleinere Zinserhöhungen durchführen würden. Nur dadurch würde ein zu schneller und starker Zinsanstieg vermieden werden und gleichzeitig der Druck auf überschuldete Staaten und Unternehmen erhöht werden, effiziente Strukturen zu implementieren. Aktuell wird dies jedoch durch die anhaltende expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan konterkariert.

Eine weitere Möglichkeit zum Abbau der Verschuldung besteht in der Monetarisierung von Staatsschulden. So könnten die Zentralbanken die Staatsschulden in ihren Bilanzen in ewig laufende Zero-Bonds umwandeln. Oder sie schreiben die Schulden in ihren Bilanzen ab, wie es die Bank of Japan, die bereits mehr als 50 Prozent der japanischen Staatsschulden hält, ansatzweise schon tut. In größerem Stil würde dies allerdings zu einem massiven Vertrauensverlust in die jeweilige Landeswährung führen, so dass ein solches Szenario nur in einer konzertierten Aktion mehrerer führender Zentralbanken denkbar wäre. Hierfür scheint der Leidensdruck allerdings noch nicht groß genug zu sein.

Für den Anleger bleibt letzten Endes deshalb nur die Anlage in Sachwerten. Neben Investments in Immobilien und Gold dürfte sich eine Beteiligung an guten Unternehmen in Form von Aktien weiterhin als die attraktivere Alternative erweisen. Denn ein Prozent an einem Unternehmen bleibt ein Prozent, egal in welcher Währung man dies berechnet.

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